Was ist Coaching (für mich)?

Wenn ich mich Leuten vorstelle und sage, dass ich (ganzheitliche) Coach bin, kommt in 95 % der Fälle eine Rückfrage in die Richtung:

Ah, interessant – und was coachst du so?

Ich muss dann immer etwas schmunzeln, weil ich an der Rückfrage erkennen kann, dass mein:e Gesprächspartner:in ziemlich sicher eine andere Vorstellung von Coaching hat, als es meinem Coaching-Verständnis entspricht. Und das ist auch nicht verwunderlich – denn da Coach als Berufsbezeichnung und damit auch Coaching an sich nicht geschützt ist, kann sich jeder, der das möchte, Coach nennen und Coaching anbieten. Das hat sich bisher auch durch die Initiativen der diversen Coachingverbände wie DVCT oder DBVC noch nicht geändert, die sich um eine Durchsetzung von Qualitätsstandards für die Aus-/Weiterbildung für Coaches bemühen und Mindestweiterbildung als Voraussetzung fordern, um sich „Coach“ zu nennen. Ich werde manchmal das Gefühl nicht los, dass Coach(ing) seit einiger Zeit einfach ein Begriff ist, mit dem man versucht, vielleicht etwas angestaubten Berufsbezeichnungen wieder etwas mehr Leben einzuhauen, sie irgendwie „hip“ klingen zu lassen: Was früher die Gesangslehrerin war, ist heute die Vocal Coach. Die Beratung des Fitnesstrainers kommt gleich viel besser an, wenn er es Wellness Coaching nennt. Und auch die psychologische Beraterin klingt doch gleich viel cooler, wenn sie sich Mental Health Coach nennt. Andere Angebote im persönlichen Kontext wie Personal Empowerment Coaching, Career Transition Coaching oder Flirt Coaching, oder Coaching-Angebote in und für Unternehmen wie Agile Coaching oder Transformations-Coaching tragen auch nicht gerade dazu bei, dass ein einheitliches Begriffs-Verständnis in den Köpfen der Menschen entsteht. Darum möchte ich dir hier mein Verständnis von Coaching erläutern, und damit klarzumachen: Was ist Coaching (für mich)? Und was ist Coaching nicht?

1 Wer es so wie ich ganz genau wissen will sei hier auf Wikipedia verwiesen.

Coaching ist nicht Training oder Mentoring

Diese Differenzierung ist für mich mit die wichtigste. Denn im Coaching bringe ich dir in der Regel nichts bei. Und deswegen gibt es auch keine Antwort auf die häufigste Frage „WAS coacht du so?“. Natürlich gebe ich dir Impulse, wo dies sinnvoll ist. Aber ich gebe dir im Coaching nicht vorrangig Erfahrung und Wissen weiter und verfolge mit dir auch keine Lernziele. Es wird kein Stoff vermittelt wie in der Schule und kein Abschluss angestrebt wie in einem Kurs. Denn es geht im Coaching nicht darum, dass du etwas von mir lernst, sondern immer darum, die Ressourcen in dir selbst zu entdecken und diese zielführend zu nutzen. Alles, was du brauchst, trägst du bereits in dir. Und mit meiner Hilfe kitzeln wir das raus und machen es für dich nutzbar.

Coaching ist nicht Supervision

Beide Beratungsformen sind grundsätzlich sehr ähnlich. Beide beruhen auf den gleichen Grundsätzen, nach denen ich auch arbeite:

  • Personenzentrierung, d.h. ich gehe davon aus, dass meine Coachees das Potenzial zur Persönlichkeitsentwicklung in sich tragen, und dies in von Wertschätzung und Empathie geprägten Gesprächen mit mir auch entfalten können. Ich gebe dabei lediglich „Hilfe zur Selbsthilfe“.
  • Ressourcenorientierung, d.h. ich schaue gezielt auf die materiellen und immateriellen Ressourcen meiner Coachees und/oder deren System (Familie, Freundeskreis, Arbeitsumfeld etc.), um ihre Potenziale, Stärken und Kraftquellen zu identifizieren.
  • Konstruktivismus, d.h. ich erkenne an, dass alle Coachees ihre eigene Realität haben, die sie sich durch ihre Erfahrungen, Werte, Vorstellungen etc. selbst erschaffen haben.

In der Supervision geht es stark um Selbsterfahrung und die Anleitung zur Selbstreflexion. Coaching orientiert sich in der Regel an einem bestimmten Ziel, das erreicht werden soll. Das kann z.B. die Änderung einer Gewohnheit, der nächste Karriereschritt, die Verbessrung der Kommunikation in der Beziehung oder das Lösen eines Konflikts ein. Supervision ist also zwar ähnlich wie Coaching, aber nicht damit identisch.

Coaching ist nicht Beratung

Oft erzählen mir meine Coachees im Erstgespräch, dass sie sich von mir einen Rat zur Lösung ihres Problems erhoffen: „Wie mach ich das am besten, Corinna? Sag du!“ Und ich kann das total verstehen, denn der Impuls ist ja absolut nachvollziehbar: Wenn man mit seiner eigenen Lösungsfindung in eine Sackgasse gerät, wendet man sich an jemand, der es (besser) weiß. Und natürlich unterstütze ich dich auch dabei, dein Problem zu lösen (bzw. dein Ziel zu erreichen, deinen Konflikt zu lösen etc.). Aber eben nicht, indem ich mich über dich stelle und dir mit Verweis auf meinen großen Erfahrungsschatz und meine Expertise die fertige Problemlösung vorgebe und sage: „So und nicht anders ist es richtig, so solltest du es machen!“ Sondern indem ich dich unterstütze, selbst die für dich passende Lösung in dir und deinem System zu entdecken. So wirst du erkennen, dass die Ressourcen zur Lösung des Problems schon in dir stecken, und kannst darauf aufbauend wirksame und vor allem nachhaltige Ergebnisse für dich erzielen. Du bist also nicht auf ewig auf mich angewiesen, sondern kannst und sollst dank der im Coaching gewonnenen Erkenntnisse künftig auch unabhängig von mir zu einer Lösung kommen.

Coaching ist nicht Psychotherapie

Auf diese Abgrenzung lege ich ebenfalls sehr viel wert, und glücklicherweise gibt es hier eine klare gesetzliche Regelung: Psychotherapie ist eine Tätigkeit zur Diagnose, Heilung oder Linderung von psychischen Störungen mit Krankheitswert und darf in Deutschland rechtlich nur von psychotherapeutisch tätigen Ärzt:innen, Psycholog:innen und Heilpraktiker:innen mit psychotherapeutischer Ausbildung ausgeübt werden1. Auch die Berufsbezeichnung Psychotherapeut:in ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz gesetzlich geschützt, wohingegen sich wie schon erwähnt Coach im Prinzip jede:r nennen darf. Es gehört also auch zu meiner Verantwortung als Coach, dass ich Coachees, bei denen ich eine psychische Erkrankung wie z. B. eine Depression, einen Burnout oder ein Trauma vermute, immer an geschulte Psychotherapeut:innen weiterempfehlen würde.

Dennoch ähneln sich Psychotherapie und Coaching an einigen Stellen und sind in manchen Methoden sogar identisch, insbesondere wenn es um die Klärung bei allgemeinen Lebensproblemen geht, oder die Lösung sozialer Konflikte das Ziel ist. Und noch etwas haben Psychotherapie und Coaching gemeinsam, was mir sehr wichtig ist: Niemand muss sich schämen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Im Gegenteil: Es zeugt von sehr viel Stärke und Selbstverantwortung, den Schritt zu gehen, sich Unterstützung zu suchen. Sich um sich selbst zu kümmern und in das eigene Wohlergehen und die persönliche Entwicklung zu investieren ist meiner Meinung nach das Beste, was man machen kann.

Wenn mein Coaching all dies nicht ist, was ist es denn dann?

Coaching, wie ich es verstehe und durchführe, umfasst kurz gesagt:

  • Dir die richtigen Fragen zum richtigen Zeitpunkt zu stellen – auch die unangenehmen. Manchmal sogar besonders die. 😉
  • Dir als Coachee Klarheit im Kopf zu verschaffen – durch einen klaren Ablauf und Struktur in den Methoden und der Visualisierung.
  • Und Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. Damit du zur nachhaltigen Lösung deiner Probleme und dem Erreichen deiner Ziele kommst.

Hast du darauf Lust? Oder sind vielleicht doch noch Fragen offen geblieben? Dann meld dich gerne bei mir. Ich freu mich auf deine Kontaktaufnahme!

2 Kommentare zu „Was ist Coaching (für mich)?“

  1. Dein Ratgeber bietet viele interessante Punkte, die eine Überlegung wert sind. Ist denn ein professionelles Coaching für jedermann geeignet oder nur für eine bestimmte Personengruppe?

    1. Corinna Drißner

      Hallo Aaron, freut mich, dass dir mein Blog-Artikel gefällt. Prinzipiell ist Coaching für jeden geeignet. 🙂

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